Guld Til Danmark - more
Mere Dansk Guld - more
Heiko Salzwedel at The New Zealand Academy of Sport - more
 

t-mobile-team.com, 12.4.2005

Schritt für Schritt zum Profi

Seit Beginn des Jahres 2005 geht das T-Mobile Team neue Wege in der Talentförderung. Radsporttrainer Heiko Salzwedel (47) leitet das "T-Mobile Development Programm", das talentierte, junge Fahrer fördern und bei der Trainingsplanung unterstützen soll. Im ersten Teil unserer Serie "Nachwuchsarbeit im T-Mobile Team" äußert sich Salzwedel zu Hintergründen, ersten Erfolgen und der Zukunft des Programms.

Herr Salzwedel, das von ihnen aufgesetzte T-Mobile Development Programm zur Talent-Förderung ist sehr umfangreich und enthält viele interessante Ansätze. Fassen Sie doch einmal die Kernpunkte zusammen.

Heiko Salzwedel: Unser Ziel ist es, talentierte, internationale Fahrer zu sichten, sie gezielt zu fördern und bei der Trainingsplanung, -steuerung und -kontrolle zu unterstützen. Die Sportler sollen dabei in ihrem Umfeld, sprich in ihren Vereinen und National-Teams bleiben - im Gegensatz zu Konzepten anderer Teams wie Rabobank oder in der Vergangenheit Mapei. Die Förderung ist auf drei Jahre angelegt.

Und dann folgt der Sprung ins Profi-Team?

Salzwedel: Die Integration in eine Profi-Mannschaft, bestenfalls natürlich in das T-Mobile Team ist unser langfristiges Ziel. Wir begleiten die jungen Fahrer auf ihrem Weg dorthin und möchten sie Schritt für Schritt auf eine Profi-Karriere vorbereiten.

Das Programm wurde im Januar diesen Jahres gestartet. Welche Bilanz ziehen Sie nach den ersten dreieinhalb Monaten?

Salzwedel: Ich bin mit den ersten Maßnahmen, die wir getroffen haben, sehr zufrieden. Auftakt war das Trainingslager des ProTour-Teams im Januar auf Mallorca. Drei junge Fahrer aus Großbritannien und ein Tscheche haben eine Woche lang mit den Profis trainieren, ihnen über die Schulter schauen können. Und die Profis haben toll reagiert: Sie haben mit dem Nachwuchs Kaffee getrunken, zu Abend gegessen oder standen bei Fragen Rede und Antwort. Begegnungen dieser Art sind sehr wichtig: Sie fördern die Integrität ins und Loyalität zum Team, auch perspektivisch gesehen.

Haben Ihre Schützlinge auch schon Erfolge eingefahren?

Salzwedel: Der 17-Jährige Ian Stannard aus England etwa hat ein Junior-Rennen in Belgien gewonnen, sein Landsmann Kristian House sich bei der Tour of Mallorca als Zwölfter ausgezeichnet. Aber wir sind erst am Anfang. Es wird schon noch ein paar Monate dauern, bis wir die Früchte unserer Arbeit ernten werden.

Was genau ist Ihre Rolle in dem Konzept?

Salzwedel: Ich fahre zum Beispiel zu Rennen und beobachte die Fahrer unter Wettkampfbedingungen. Zur Tour of Mallorca habe ich aber auch ein eigenes Team aus jungen Fahrern verschiedener Mannschaften zusammengestellt. Das ist der eine Bereich. Auf der anderen Seite steuere ich das Training der Fahrer über das SRM-System, organisiere Trainingslager. Kürzlich bekam ich zum Beispiel einen Hilferuf aus Tschechien: Aufgrund von widrigen Wetterbedingungen konnte der tschechische Nachwuchs nicht trainieren. Da habe ich kurzerhand ein Trainingslager auf Mallorca organisiert. Nicht zuletzt knüpfe ich natürlich Kontakte zu Sportlichen Leitern oder Nationaltrainern, vernetze mich und baue Strukturen auf.

In einigen Medien wurde die Nachwuchsarbeit des T-Mobile Team kritisiert. Was ist Ihre Meinung dazu?

Heiko Salzwedel: Dieser Kritik muss ich widersprechen. Wenn dem so wäre, dass das T-Mobile Team sich nicht für den Nachwuchs engagiert, dann würde es dieses Development Programm gar nicht geben. Wir müssen sicher noch abwarten, was es zukünftig bringt, aber es ist ein neuer Lösungsansatz. Außerdem: Die neue Generation im T-Mobile Team mit Marcus Burghardt, Bas Giling und Bernhard Kohl, sie macht bislang doch einen fantastischen Job!

Herr Salzwedel, vielen Dank für das Gespräch!
_____________________________________

Heiko Salzwedel:
Der 47 Jahre alte, gebürtige Thüringer (Schmalkalden) machte sich zwischen 1990 und 1998 als Nationalcoach des australischen Verbandes einen Namen. Er verhalf 17 jungen Sportler zum Sprung in den Profi-Sport, betreute unter anderem den australischen Weltklasse-Sprinter Robbie McEwen und den deutschen Top-Fahrer Jens Voigt. Für den Radsport-Weltverband UCI führt Salzwedel Trainerausbildungen und ist zudem als Berater des dänischen und chinesischen Nationalteams tätig. Von 2002 bis 2004 war er National Team-Manager des britischen Verbandes. Vier Fahrer sind bislang in das Development Programm integriert: Die drei Engländer Ian Stannard, Kristian House und Geraint Thomas sowie der Tscheche Martin Mares. Weitere Sportler aus Österreich und Tschechien werden derzeit beobachtet.


Mallorca Zeitung, 23.2.2005

Laktat, Leistung, Las Palmeras

"Sie verfügen über ein beachtliches Leistungspotenzial - allerdings liegt es derzeit brach." Trainingsmethodiker Heiko Salzwedel bestätigt der Hobbysportlerin nach dem gerade beendeten Leistungstest, was diese im Stillen befürchtet hatte. Zwei Alibi-Schwimmeinheiten à 30 Minuten pro Woche reichen nicht aus, um eine ehemalige Leistungssportlerin wirklich fit zu halten. Salzwedel, ehemaliger Nationaltrainer der australischen und britischen Radmannschaft und heute selbständiger Berater, versucht zu beruhigen: ,,Wer das Radfahren nicht so gewöhnt ist, macht in der Regel früher schlapp." Das schlechte Gewissen verfliegt trotzdem nicht.

Von Anja Finke

Jetzt beginnt auf Mallorca die Fahrrad-Saison. Zu Tausenden fliegen die Zweirad-Fans aus dem Ausland ein. Wer gut vorbereitet auf die erste Tour gehen will, ist bei Salzwedel genau richtig.

Unter dem strengen Blick eines Keilers (es ist nur der Kopf), dem Geweih eines stattlichen Hirschs und vor einem prächtigen offenen Kamin können ambitionierte Hobby- und Profi-Radfahrer im SRM Training Center Las Palmeras bis Mitte April ihren aktuellen Leistungsstand testen (MZ berichtete). "Die Leistungsdiagnostik ermittelt die individuellen Trainingsbereiche eines Athleten", erklärt Salzwedel, der für das sportliche Konzept verantwortlich zeichnet. Richtig eingeschätzt und gesteuert, erreiche der Sportler schneller seine persönlichen Ziele und vermeide Überlastungen. Natürlich kann man beim Training auf die Faustregel "Trainingspuls gleich 200 minus die Lebensjahre" zurückgreifen. Wer allerdings wie die Profis trainieren möchte, die verschiedene Belastungen (extensives Tempotraining, Schwellentraining, intensives Ausdauertraining, regenerative und lange Ausdauer) unterscheiden, kommt an einem Leistungstest nicht vorbei.

Neben Salzwedel gehören der Medizintechniker Uli Schoberer (siehe Kasten), Lothar Heinrich (Mannschaftsarzt des Teams T-Mobile) und die Ernährungswissenschaftlerin Mareike Großhauser zum Team. Entsprechend weit reicht das Angebot vom Leistungstest über Trainingsplanung, Ernährungsberatung bis hin zur Sportmedizin.

"Wir sehen Mallorca als Kontaktbörse", erklärt Salzwedel den Entschluss auf der Insel zu investieren. Er und seine Kollegen hoffen, möglichst viele der rund 15.000 potenziellen Interessenten auf der Finca Son Granada kennenzulernen. "Wir möchten die Hemmschwelle senken", sagt der Thüringer, der mit seiner Familie in Hofheim lebt. "Was für Profis wie Jan Ullrich oder Erik Zabel gut ist, kann Hobbyfahrern doch nicht schaden", ergänzt er.

Warum er davon ausgehe, dass Hobbyradler ausgerechnet nach Mallorca zum Trainieren kommen und so das Sportzentrum nutzen? "Das Klima ist unschlagbar, das Straßennetz hervorragend, die Landschaft ein Traum und Mallorca schnell und günstig zu erreichen", sagt er.


www.team-t-mobile.com, 11.1.2005

T-Mobile unterstützt talentierten Radnachwuchs

Knapp ein Jahr nach der Übernahme des Sponsoring-Engagements im Profi-Radsport weitet das Mobilfunk-Unternehmen T-Mobile sein Engagement auch auf Nachwuchsfahrer aus. Ziel des "Development Programs" ist es, eine Gruppe von talentierten, internationalen Fahrern gezielt zu fördern und bei der Trainingsplanung, -steuerung und -kontrolle zu unterstützen.

Die Sportler sollen behutsam an den Profi-Radsport herangeführt werden, indem sie unter anderem zu Trainingslagern, Leistungstests und Wettkämpfen der T-Mobile-Profis eingeladen werden. In Heiko Salzwedel steht ihnen dabei ein erfahrener Trainer zur Seite: Der 47-Jährige machte sich etwa als Betreuer des australischen Weltklasse-Sprinters Robbie McEwen und dem deutschen Top-Fahrer Jens Voigt einen Namen. Derzeit zeichnet Salzwedel für die Trainerausbildung im Radsport-Weltverband UCI verantwortlich, zudem ist er als Berater des dänischen und chinesischen Nationalteams tätig.

Salzwedel wird die jungen Talente aus der Ferne betreuen: Die Fahrer schicken ihm ihre über das SRM-System ermittelten Trainingsdaten wie Herzfrequenz und Energieverbrauch per E-Mail zu. Der in Hofheim/Taunus lebende Salzwedel wertet diese aus und stellt die entsprechenden Trainingspläne zusammen. Außerdem wird er den Nachwuchs bei Wettkämpfen beobachten und dabei eng mit deren Heim- oder Nationaltrainern zusammen arbeiten.

Ludwig: "Optimale Talentsichtung- und betreuung"
T-Mobile-Team-Manager Olaf Ludwig verspricht sich von dem Konzept eine effizientere Gestaltung der Talentsichtung und Athletenbetreuung: "Die Ausbildung und Gewöhnung an professionelle Trainings- und Verhaltensstrukturen beginnt nicht erst mit der Vertragsunterzeichnung bei einem Pro-Tour-Team. Die jungen Fahrer werden schrittweise an höhere Aufgaben herangeführt und sind dadurch auf die Anforderungen eines Top-Teams vorbereitet."

Auf Empfehlung von Salzwedel wurden bislang bereits vier Nachwuchsfahrer in den Kader aufgenommen: die drei Briten Geraint Thomas (18/Junioren-Weltmeister 2004 im Scratch), Ian Stannard (19/nationaler Junioren-Zeitfahrmeister) und Kristian House (24) sowie der Tscheche Martin Mares (22). Das Programm ist zunächst auf zwei Jahre ausgelegt.

Das Quartett wird beim Trainingslager des T-Mobile Team auf Mallorca mehrere Tage lang mit den Profis aufs Rad steigen, um erste Erfahrungen zu sammeln. "Die Jungs zählen in ihren Nationalmannschaften zwar bereits zu den Leistungsträgern. Ein Profi-Team ist jedoch wieder eine andere Welt. Beim Training mit dem T-Mobile Team können sich die Fahrer viel abschauen", ist Heiko Salzwedel sicher


Auszug aus PROCYCLING, Oktober 2004

Stinkefinger und Weizenbier - Die Olympischen Straßenrennen

15. und 18. August: Straßenrennen und Einzelzeitfahren Frauen

Selten ist man sich so einig darüber gewesen, wer ein Rennen dominierte. Judith Arndt fuhr einen bravourösen Wettkampf. Sie führte an der Spitze des Pelotons über mehrere Runden alleine das Rennen an. Bereits hier hatte sie die spätere Siegerin, die Australierin Sara Carrigan, im Schlepptau.

Judith Arndt selbst sorgte dafür, dass die Freude über ihre hochverdiente Silbermedaille im Straßenrennen der Frauen weniger im Fokus des Interesses stand, als die Aufregung über ihre eigentümliche "Siegesgeste". Nachdem die Athletin auf den letzten Metern wütend ihre Radhandschuhe auf die Straße gefeuert hatte, zückte sie - als sie die Ziellinie überquerte - ihre rechte Hand zum "Stinkefinger".

Eine Überreaktion, vermutete man zunächst. "Ich kann absolut nachvollziehen wie es in den Gemütern unserer Fahrerinnen aussah", kommentierte Team-Manager Herbert Oppelt später auf der Website der Equipe Nurnberger diesen Augenblick. "Man kämpft dreieinhalb Stunden für diesen Erfolg. Die Goldmedaille war schließlich zum Greifen nahe und Judith war im Finale ganz alleine auf weiter Flur. Ihr Verhalten war nicht professionell. Da gibt es keine Diskussion! Aber Profis sind auch nur Menschen und da sollte man akzeptieren, dass auch bei Sportlern in dieser Situation Emotionen frei werden."
im Ziel beeilte sich Arndt - die ein sensationelles Rennen gefahren war - zu versichern, das ihre Geste kein Kommentar war auf die Fahrweise der Australierin Sara Carrigan. Diese hatte, nachdem sie sich lange in Arndts Windschatten aufgehalten hatte, die Deutsche im Finale locker übersprintet and sich die Gold-Medaille gesichert. "Die darf das", meinte Arndt nur, "Ihre Mannschaftskollegin Oenone Wood fuhr ja hinten im Hauptfeld. Ich hätte es
genauso gemacht, wenn Petra Roßner im Feld gefahren wäre." Dann erst erzählte die 28-jahrige, dass die "beleidigende Grußbotschaft" ihrem Verband, dem Bund Deutscher Radfahrer, galt: "Petra ist die weltbeste Sprinterin; wir hätten ganz anders agieren können, hätte man sich beim BDR an die Nominierungskriterien gehalten, die vorher abgesprochen waren."

Arndt entschuldigte sich öffentlich, damit war die Affäre vom Tisch. Was bleibt, ist eine großartig herausgefahrene und höchst verdiente Silbermedaille - aber wegen einer möglicherweise verpassten Goldmedaille auch viel Frust, in erster Linie seitens der Athletin.

Es geht nicht um Arndts persönliche Motive. Sicherlich war sie enttäuscht, nicht zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Petra Roßner beim Jahreshöhepunkt in Athen ein gemeinsames Rennen bestreiten zu können; zum krönenden Abschluss van Roßners Karriere, die sie Ende der Saison beendet.

In erster Linie geht es um Fragen, die in Zukunft geklärt werden müssen: Fragen zu der Nominierungs-Politik des BDR, bzw. den offensichtlich nicht existierenden Nominierungs-Kriterien des scheinbar relativ willkürlich entscheidenden Verbands.

Naiv betrachtet kann man es erstaunlich finden, dass in Petra Roßner die Deutsche Straßenmeisterin nicht für die Nationalmannschaft in Athen aufgeboten wurde.

Roßner sei eine Sprinterin, sagte man zur Rechtfertigung, und die Mannschaft - und damit die taktische Ausrichtung auf eine Sprinterin - sei bei Olympia nicht so wichtig, meinte BDR-Präsidentin Sylvia Schenk. Dumm nur, dass die erfolgreichen Australierinnen genau das Gegenteil bewiesen: Siegerin Carrigan brauchte sich - auf Arndts Kosten - nicht an der Führungsarbeit zu beteiligen, weil das australische Team mit Oenone Wood eine Sprinterin in der Gruppe dahinter sitzen hatte. Wäre das Ausreißer-Duo Arndt/Carrigan eingeholt worden, wäre Wood das australische Trumpf-Ass gewesen.

Wenn man so will, hat sogar das deutsche Team selbst - in diesem Fall im Straßenrennen der Männer - die Bedeutung der Mannschaftsarbeit demonstriert: Nachdem klar war, dass man Paolo Bettini und Sergio Paulinho nicht mehr einholen wurde, sorgte Jan Ullrich persönlich dafür, dass Teamkollege Erik Zabel im Finale noch auf den vierten Platz sprinten konnte.

Der Kurs sei nichts für Sprinterinnen, behauptete Präsidentin Schenk weiter. Nun, mit der Russin Olga Slioussareva gewann eine Athletin mit Sprint um Platz drei auch die Bronze-Medaille, die im vergangenen Jahr noch bei der Bahn-WM in Stuttgart startete, und ... eben eine Sprinterin ist; wenn auch keine Weltklasse-Sprinterin vom Format einer Petra Roßner. Wenn der Kurs angeblich so unpassend war für eine Sprinterin, so mutet es merkwürdig an, dass mit Angela Brodtka ausgerechnet eine Sprinterin als dritte BDR-Athletin nominiert wurde.

Eines ist klar: Es geht nicht um die Cottbuserin Brodtka als Person, es gibt auch definitiv keinen "Zickenstreit" im Damen-Radsport, wie ihn der geneigte Sportinteressierte vor allem vom Eisschnelllauf kennt. Judith Arndt, Trixi Worrack und Angela Brodtka kommen sehr gut miteinander aus, Worrack und Brodtka haben denselben Trainer und trainieren oft zusammen in Cottbus. Auch im Vorfeld des Straßenrennens in Athen legte sich kein Schatten über das kollegiale Verhältnis der Radsportlerinnen untereinander. Der Sportliche Leiter der Equipe Nurnberger, Ex-Profi Jens Zemke, soll sofort nach dem Rennen Brodtka, der 23-jährigen Nachwuchs-Hoffnung, persönlich versichert haben, dass keineswegs sic der "Stein des Anstoßes" war.

In Insider-Kreisen schüttelte man trotzdem den Kopf über diese Fehlbesetzung: "Olympische Spiele haben ihre eigenen Regeln. Das ist eine andere Situation als Weltmeisterschaften oder Deutsche Meisterschaften, wo man begrenzt experimentieren kann. Ein olympisches Straßen-Rennen ist kein Tummelplatz für Nachwuchs, da müssen gestandene Athletinnen an den Start gehen."

Ware Petra Roßner, die Grande Dame des deutschen Frauen-Radsports, im Rennen gewesen, dann hatte mit Sicherheit das Finale anders aussehen können; es wäre von ihren Mannschaftskolleginnen anders gestaltet worden. Arndt, Roßner und Worrack, das eingeschworene Triumvirat der Equipe Nurnberger, demonstriert den Rest der Saison erfolgreich blindes Verständnis und erfolgreiche Zusammenarbeit - das Team ist nicht umsonst das beste Profi-Frauenteam der Weltrangliste.

"Youngster" Angela Brodtka fahrt in der Bundesliga für das Team Red Bull-Stadtwerke Frankfurt/Oder, und bei internationalen Einsatzen regelmäßig als Gastfahrerin für das niederländische Profi-Team Farm Frites-Hartol. Ganz zu den Profis zu wechseln, kommt für die Cottbuserin vorerst nicht in Frage: "Ich habe beim Bundesgrenzschutz die beste berufliche Absicherung, die man sich wünschen kann", sagte die Radsportlerin. Im März hatte sie ihre Ausbildung zur Polizeimeisterin abgeschlossen und ist seitdem für Training und Wettkämpfe freigestellt. "Der Trainingsplan ist mein Dienstplan", sagt die 23-jährige.
Die Vermutung liegt nahe, dass hier möglicherweise ein sportpolitisches Thema gestreift wird: Sollte mit Brodtka möglicherweise die Quote der vom Bundesinnenministerium bezahlten Sportler erfüllt werden?

Fakt ist, dass zahlreiche Athleten, nicht nur Radsportler, enorm profitieren von beruflichen Möglichkeiten, wie sie auch Angela Brodtka genießt. Eine gute Einrichtung, ohne die die Sportlandschaft in Deutschland ganz anders aussehen wurde. Prinzipiell ist es sogar eine gute Idee, auf der Weltbühne der Olympischen Spiele auf diese Art "Werbung" zu machen. Manchmal ist gut gemeint aber das Gegenteil von gut. Besser wäre eben die Goldmedaille gewesen...

Am Ende bleibt es, wie so vieles bei Olympia, Spekulation. "Hatte, wäre, wenn" gibt es nicht, bei den Spielen zahlt nur das "hier und jetzt".

Vielleicht hat Judith Arndt ihre Silbermedaille nur ihrer Wut im Bauch zu verdanken, und mit Petra Roßner am Start wäre am Ende gar keine Medaille rausgekommen. Garantien gibt es bekanntlich nicht im Sport. Und ohne die unrühmliche Geste Arndts hochloben zu wollen, so hat der ganze Trubel der Berufsradfahrerin und ihrem Sponsor am Ende wahrscheinlich sogar mehr geholfen als geschadet. Einige Tage lang war ihr Mittelfinger der Berühmteste, den die Republik seit Stefan Effenbergs Entgleisung vor zehn Jahren gesehen hat. Und beim BDR weiß man - selbst wenn das niemand jemals zugeben wurde - dass man bei den nächsten anstehenden Nominierungen etwas mehr Fingerspitzengefühl zeigen sollte...


t-mobile-team.de, 19.7.2004

Blaulicht und Blechlawinen

Hallo, liebe Radsportfreunde,

450 schreibende Journalisten tippen am Tag vor dem zweiten Ruhetag im Innenraum der 8.000 Zuschauer fassenden Sporthalle von Nimes ihre Berichte. Draußen glüht die Luft bei 32 Grad, innen sind es angenehme 27. Es ist der bisher geräumigste Arbeitsplatz den wir haben. Dafür ist das Ziel, wo die Rennfahrer ankommen, also unsere Informationsquelle, 2.600 Meter entfernt.

Und dort herrschte schon vor der Ankunft Chaos. Für das Hinterher fehlt mir das passende Wort. Nur so viel, als "Anhalter" im Auto von französischen Kollegen sitzend: wir benötigten 40 Minuten, um uns vom "Parkplatz Presse Zielankunft" wieder in den Pressesaal durchzukämpfen. Immer wieder um- und fehlgeleitet von zwar netten, aber meistens hilflosen Polizisten im Irrgarten von Nimes.

Mancher Kollegen schrieb sich auch den Unmut über die Parkplatzkalamitäten bei den Bergankünften von La Mongie und Plateau de Baille von der Seele. Touristenbusse, Campingzelte, Privatautos - alle mit auf dem Platz "Parking Press". Chaos auch hier bei der Ankunft und dann, wenn die Berichte abgesetzt sind, auch bei der Talfahrt. Wer da nicht erst nach Mitternacht im Hotel sein will, muss allerhand riskieren und an der Blechlawine von zigtausend Schlachtenbummlern links vorbei bergab preschen. Stoßstange an Stoßstange. Manchmal hilft ein Blaulicht, die Gasse zu bahnen. Der Moloch Tour überrollt seine Organisatoren.

Küchenzeit verlängert
So waren wird letzten Samstagabend für die 30 Kilometer vom "Plateu de Chaos" drei Stunden unterwegs, um ins Hotel zu kommen. Dort hatte man, den Tour-de-France-Gästen zu Liebe, die Küchenzeit um eine halbe Stunde verlängert. Grand merci, dem "Relais des Trois Chateaux" in Roquefixade bei Foix!

Strahlende Gesichter gestern bei einer handvoll T-Mobile-Ehrengästen. Sie hatten ein Preisausschreiben gewonnen und durften dafür einen Tag Tour de France erleben. Mit allem drum und dran: den Vor-Start-Trubel im Village (dem VIP-"Dorf" für Sponsoren,Organisation und Journalisten); die letzten Vorbereitungen der Fahrer am T-Mobile-Bus; ein Stück Vorausfahrt auf der Strecke; dann - als Höhepunkt - aus dem Helikopter die Tour von oben.

Fachkundig geführt und "kutschiert" wurde die kleine T-Mobile-Reisegruppe von Heiko Salzwedel, dem international renommierten Trainingswissenschaftler, nach dessen Plänen u.a. auch Robbie McEwen, der Mann in Grün, trainiert. Bei der Zielankunft in Nimes habe ich sie nicht mehr entdecken können, was in dem Trubel nichts heißen muss. Der glücklichste der acht Gewinner war auf jeden Fall der zwölfjährige Tobias aus Ober-Ramstadt bei Darmstadt, begleitet von seinem Vater. "Eigentlich hat Mutti das Preisausschreiben gewonnen", verriet der Junge, zeigte mir mit glänzenden Augen das vom fünfmaligen Toursieger Bernard Hinault ergatterte Autogramm und hoffte dann sehnsüchtig auf das von Jan Ullrich.

Gedenken an Casartelli
Freudig überrascht bin ich von Andreas Klöden. Der gebürtige Sachse aus der Nähe von Chemnitz, jetzt in der Schweiz in unmittelbarer Nähe seines Freundes Jan wohnend, ist nach zwei Jahren der Tränen (Knie- und Bandscheibenverletzungen, Steißbeinbruch) endlich zurück. Wenn sein Kraftpotenzial ausreicht, hat "Klödi" sogar die Chance, in Richtung "PP" zu schielen. PP wie Podiumsplatz.

Dass man, um erfolgreich zu sein und vor allem ohne ernsthafte Verletzungen bleibt, hat Rolf Aldag am Abend nach der Etappe von La Mongie in der berühmten Wallfahrtskirche von Lourdes der Heiligen Maria eine Kerze angezündet. Auch die beiden Mannschaftsärzte Lothar Heinrich und Stefan Vogt taten das und eine ganze Anzahl italienischer Rennfahrer. Sie gedachten mit einer dicken, zwei Meter hohen(!) Kerze ihres 1995 bei der Tour in den Pyrenäen tödlich verunglückten Kollegen Fabio Casartelli.

Prinzen-Audienz beim Radsport-König
Eine Kerze sollte auch heute beim gemeinsamen Abendessen mit meinem Sohn Ralf-Peter auf dem Tisch stehen. Zu ersten Mal in all meinen Frankreich-Rundfahrten hätte ich mit ihm seinen Geburtstag feiern können; denn der Filius erlebt als Regisseur im Team des ZDF seine erste Tour. Doch - das hat er von mir zig mal vorgemacht bekommen - der Job geht vor. Und das heißt für ihn: Alpe d´Huez und die ZDF-Prominenten-Tour. So wollen u.a. Abfahrts-Olympiasieger Stefan Eberharter, Eisschnelllauf-Königin Gunda Niemann-Stirnemann, Biathlon-Olympiasieger Ole-Einar Björndalen und Popsterchen Jeanette Biedermann per Rad die "Festung" Alpe d´Huez stürmen. Als Vorhut sozusagen von Armstrong und Co.

Da Vater und Sohn aber auch von der Entfernung her durch "Welten" getrennt sind - ca. 250 Kilometer -, fällt die gemeinsame Fete aus. Was ich dem Tour-Neuling zum "37." schenken werde? He, sie verraten es ihm ja nicht: ein Gelbes Trikot mit ein paar wertvollen "Handschriften drauf. So die der Toursieger Armstrong, Hinault, Bjarne Riis und Jan Ullrich; des aktuellen Spitzenreiter Thomas Vöckler, auch Ete Zabel hatte die Ehre und Frankreichs Radidol Raymond Poulidor.

Für das letzte Autogramm zeichnete eine Hoheit verantwortlich, Prinz Albert von Monaco. Er tat´s in großer Eile, denn der mir vor allem durch den Bobsport freundschaftlich verbundene monegassische Thronfolger wurde zur Audienz bei Rad-König Lance Armstrong erwartet. In dessen Autobus.

Au revoir und bis bald!

Euer

Klaus Angermann


Handelsbaltt.de, 26.7.2004

Die deutschen Überflieger

Die Überraschung der 91. Tour de France war Andreas Klöden, der seinen Kapitän Jan Ullrich abhängte und wie eine Rakete aus dem nichts an die Spitze schoss - und dort blieb. Danilo Hondo und Erik Zabel tauchten häufiger auf, aber so recht freischwimmen konnten sie sich bei der starken Sprinterkonkurrenz nicht und blieben ohne einen Etappensieg. Das Auge der Medien schwenkte dessen ungeachtet des öfteren auf die deutschen Fahrer.

Prächtig in Szene setzten konnte sich der Berliner Jens Voigt. Der gebürtige Mecklenburger imponierte mit seinen langen Fluchtwegen. Als Tour-Debütanten hielten sich Ronny Scholz und Sebastian Lang vom Team Gerolsteiner ebenso achtbar wie Bert Grabsch vom Schweizer Phonak-Rennstall. Vorzeitig ausgeschieden sind "Youngster" Fabian Wegmann (Gerolsteiner) sowie die Sturzopfer Matthias Kessler (T-Mobile) und Daniel Becke (Illes Balears). Die Einzelkritik der deutschen Fahrer in der Einschätzung ihrer Teamleiter:

[...]

Team Rabobank/Niederlande (Trainer Heiko Salzwedel):

Grischa Niermann (66.): "Grischa ist bei der Tour ein bißchen untergegangen. Er hat aber eine ausgezeichnete Arbeit geleistet. Grischa ist wichtiger Mannschaftsfahrer."


ARD.de, 26.7.2004

Chefs zufrieden mit deutschen Tour-Startern

Die 15 Deutschen, die am 3. Juli an den Start der 91. Frankreich-Rundfahrt gegangen waren, verteilten sich auf sieben Tour-Mannschaften. Es liegt in der Natur der Sache, dass dabei die beiden deutschen Rennställe T-Mobile (Aldag, Kessler, Klöden, Ullrich, Zabel) und Team Gerolsteiner (Hondo, Lang, Peschel, Scholz, Wegmann) mit je fünf Fahrern die meisten im Aufgebot hatten. Die restlichen fünf deutschen Starter verteilten sich auf Team CSC (Voigt), Illes Balears (Becke), Phonak (Grabsch), Rabobank (Niermann) und Saeco (Ludewig).

[...]

Becke, Ludewig, Niermann und Grabsch wichtige Helfer

Last but not least die vier Legionäre in Spanien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz. Auch sie erhielten nach der Tour de France positive Rückmeldung aus den oberen Etagen ihrer Teams. Einer von ihnen kam nicht in Paris an: Daniel Becke. Der Erfurter stieg während der 17. Etappe aus der Frankreich-Rundfahrt aus. Sein Sportlicher Leiter bei Illes Balears, José Miguel Echavarri, hält dennoch große Stücke auf Becke: "Ein guter Helfer. Schade, dass er gestürzt ist."

Auch die anderen drei "Ausländer" werden als gute Seelen der Mannschaft geschätzt. Phonak-Manager Urs Freuler über Bert Grabsch: "Bert ist ein wichtiger Fahrer für uns. Er hat besonders in den Flachetappen und beim Mannschafts-Zeitfahren ausgezeichnete Arbeit geleistet" – und so zu einem ordentlichen Auftritt der Schweizer bei ihrer ersten Tour de France beigetragen.

Grischa Niermann blieb in diesem Jahr sehr unauffällig. Sein Trainer Heiko Salzwedel ist trotzdem von den Qualitäten des Hannoveraners überzeugt: "Grischa ist bei der Tour etwas untergegangen. Er hat aber eine ausgezeichnete Arbeit geleistet. Grischa ist ein wichtiger Mannschaftsfahrer." Ähnlich das Urteil von Guido Bontempo, Teamleiter von Saeco, über Jörg Ludewigs Abschneiden in Frankreich: "Jörg ist ein zuverlässiger Rennfahrer, auf den man bauen kann. Trotz einer Nebenhöhlenentzündung, Husten und Sitzbeschwerden hat er die Tour durchgestanden. Er ist ein Gewinn für unsere Mannschaft."

[...]


ZDF.de, 30.06.2004

"Oranje Niermann"

Grischa Niermann hat ein klares Tour-Ziel

Starker Start, Kniebeschwerden, und trotzdem eine gute Vorbereitung. So verlief in groben Zügen die Saison 2004 für Grischa Niermann. Vier Mal schon hat der Radprofi aus Hannover an der Frankreich-Rundfahrt teilgenommen, mit einem tollen Auftakt im Jahre 2000.

Im Jahre 2000 fuhr der Rabobank-Profi ein beherztes Rennen und kam bei seinem Debüt auf der "Großen Schleife" auf Platz 24. Im folgenden Jahr schied der Radprofi aus Hannover nach einem schweren Sturz aus, kämpfte sich aber 2002 wieder zurück: Rang 22 bei seinem ersten Giro d'Italia sicherten ihm einen Platz im Tour-Aufgebot seiner Mannschaft. Nach anstrengenden Helferdiensten für seine Kapitäne Levi Leipheimer und Michael Boogerd erreichte Niermann Paris als 51ster.

Klare Ziele

Im letzten Jahr dann schied Leipheimer bereits auf der ersten Etappe aus. Beim Massensturz in Meaux hatte sich der Amerikaner eine Hüftfraktur zugezogen. "Wir fahren für Levi", sagte Niermann und kam trotzdem auf Rang 28 im Schlussklassement ins Ziel.

Nach Hochzeit mit Lebensgefährtin Sandra und der Geburt des gemeinsamen Sohnes Finn, startete Niermann topmotiviert in die Saison 2004, seine siebte im niederländischen Rabobank-Team von Ex-Profi Theo de Rooy.

Sein Wechsel zu Trainer Heiko Salzwedel scheint sich gelohnt zu haben, bei Rundfahrten in Spanien fuhr der deutsche Radprofi einige gute Platzierungen heraus. Für die Tour hat er eine Platzierung unter den Top 20 im Visier. Ein Ziel, für das der Hannoveraner bereits im Frühjahr Schmerzensgeld zahlen musste.

Schmerz und Zuversicht

Im April zerstörten hartnäckige Kniebeschwerden den Trainingsaufbau für die Tour. Die ursprünglich für Mai vorgesehene Pause wurde praktisch vorgezogen. Drei Wochen waren es dann am Ende - eine Zeit, in der die Knie-Schmerzen so groß waren, dass sogar das Gassi-Gehen mit Hund Cindy ausfiel. Das liegt glücklicherweise hinter Niermann, wie Coach Salzwedel weiß: "Jetzt ist alles bestens. Seit Mai konnte Grischa gut trainieren, auch harte Einheiten hat er problemlos absolviert."

Bei der Deutschland-Tour Anfang Juni zeigte sich Niermann fit für die "Große Schleife": Er leitete den Reigen der Attacken am Schlussanstieg der Königsetappe zum Fichtelberg-Plateau ein. Der 28-Jährige hat etwas Gewicht verloren, was ihm bei der Tour zu Gute kommen wird. In Niermanns Umfeld ist man zuversichtlich: "Ich bin sehr gespannt auf Grischas Tour", lässt auch Trainer Salzwedel seine Hoffnungen durchblicken.


Team-T-Mobile.de, 26.06.2004

Roßner wahrt Olympia-Chance

Die Leipzigerin Petra Roßner (Team Nürnberger) jagte am Samstagabend in Freiburg zum Deutschen Meistertitel über 105 km im Straßenrennen der Frauen. Für die Grand Dame des Deutschen Radsports war das nach Olympiasieg und Weltmeistergold bereits der 25 Titel. "Es war der letzte Titel für mich", sagte Petra Roßner.

Im August will sie allerdings für Deutschland noch einmal bei den Olympichen Spielen in die Pedale treten. "Ich hatte schlaflose Nächte. Der Deutsche Meistertitel war meine letzte Chance, mich für meine vierten Olympischen Spiele zu qualifizieren", verriet die neue Meisterin.

Petra Roßner bedankte sich sichtlich bewegt bei ihrem Team Nürnberger: "Meine Mannschaft hat ganz fest zu mir gestanden. Die Mädchen haben mit aller Kraft für mich gekämpft. Der Titel hängt für mich ganz oben, erstens ist es meine letzte Meisterschaft und dann war es ein sehr knapp und schwer erkämpfter Sieg."

Olympia-Aus für Hanka Kupfernagel
Das Team Nürnberberger setzt damit einen einmaligen Triumphzug fort. Alle Rennen, bei dem Fahrerinnen des Franken-Rennstalls gestartet sind, haben die Nürnbergerinnen gewonnen. Einmalig in der Welt. Dafür nehmen die Rad-Amazonen aus Nürnberg auch unangefochten den ersten Platz in der Weltrangliste ein.

Bei den nationalen Titelkämpfen konnten die Nürnbergerinnen aber nicht mehr wie in den letzten Jahren dominieren. Auf den zweiten Rang schob sich Regina Schleicher (Marktheidenfeld) vom Team Deutsche Weinstraße vor Angela Brodka (Cottbus) vom Red Bull Team aus Frankfurt/ Oder.

Als große Verliererin der Saison entpuppte sich Hanka Kupfernagel. Die Olympiazweite von 2000 landete auf dem sechsten Rang und scheidet damit aus dem Kreis der Olmypiakandidaten aus. Nach ihrem Einbruch bei der Bahnrad-WM radelte sie auch auf der Straße an einem Olympiaticket vorbei. Schade. "Hanka wollte zu viel und hat alles verloren. Im internationalen Radsport musst du dich heute hundertprozentig konzentrieren", urteilte Heiko Salzwedel, Sportmethodiker beim Team Nürnberger.

Für leichten Ärger sorgten einige Radprofis wie Deutschlandtour-Sieger Patrik Sinkewitz und einige Fahrer des Teams Gerolsteiner. Sie fuhren mitten im Frauenrennen Trainingsrunden und mussten von der Polizei der Strecke verwiesen werden.


Nürnberger Nachrichten, 10.2.2004

Vierzehn Solistinnen, ein Ensemble

NÜRNBERG - Die Vorstellung beginnt. Alles lacht, alles scherzt, in einer Ecke des Hotels plaudert Petra Roßner angeregt mit der Radsport-Redakteurin, zwei Sitzgruppen weiter grübelt Judith Arndt darüber nach, was sie in den zwei Wochen Trainingslager auf Mallorca vermisst hat - um dann erstaunt festzustellen: „Eigentlich nichts.“ Bravo, danke für den Auftritt, aber wie wäre es jetzt mal mit der Wahrheit? Doch so sehr man zieht und zerrt, die Fassaden erweisen sich als erstaunlich stabil, und dann dämmert es einem. Das ist kein perfekt inszeniertes Theaterstück, in dem sich die Rad-Equipe Nürnberger Versicherung als harmonisches Ensemble präsentiert. Das ist die Realität.

Noch vor einem Jahr wirkte das alles eckiger, kantiger, verknoteter, drohte die Gefahr von Grüppchenbildungen: Hier die prominenten Neuzugänge Petra Roßner und Judith Arndt, dort die zweite Reihe mit Kerstin Scheitle oder Birgit Söllner, mittendrin Hanka Kupfernagel, und dann der Nachwuchs mit Trixi Worrack und Liane Bahler. Sicher, ein Jahr macht aus Individualisten, wie es Radfahrer nunmal sind, kein Kaffeekränzchen, aber in diesen zwölf Monaten scheinen diese unterschiedlichen Charaktere einen starken gemeinsamen Nenner gefunden zu haben.

„Gesund und ausgewogen“

Reibungsverluste dürften der Equipe demnach heuer erspart bleiben, und so startet das Profi-Team gut gerüstet in eine aufregende Saison, die am 29. Februar mit dem ersten Weltcup-Rennen in Australien beginnt und im September mit der WM in Italien endet. Petra Roßner jedenfalls umschreibt den Kader mit 14 Fahrerinnen als „eine gesunde und sehr ausgewogene Gruppe, wir haben alles, von der Stimmungskanone bis zur Analytikerin“. Judith Arndt freut sich über das Plus an Internationalität, denn neben der Amerikanerin Jessica Phillips, die gleich beim ersten Weltcup ihre hoch gelobten Helferqualitäten beweisen darf, stößt mit der Russin Olga Zabelinskya eine Athletin zu den Königsblauen, die zwar erst 23 Jahre jung ist, aber viel Rennpraxis mitbringt. Nicht zu vergessen die neuen Nachwuchstalente Tina Liebig und Claudia Stumpf, besonders letzterer prognostizieren Experten eine große Karriere. So befindet sich Equipe-Sportchef Jens Zemke in einer äußerst komfortablen Situation - vorausgesetzt, es bleiben alle gesund: „Je nach Rennen oder Rundfahrt kann ich beliebig hin- und herswitchen, um sechs von zehn Fahrerinnen auszuwählen.“

Sechs aus zehn, nicht vierzehn, denn Stumpf und Bahler werden voraussichtlich des öfteren im National-Team des Bund Deutscher-Radfahrer geparkt, außerdem sind da noch die beiden Sorgenkinder Conny Cyrus und Jenny Algelid-Bengtsson. Doch während Cyrus nach ihrer Arterien-Operation bereits beim Trainingslager Anfang März auf Zypern wieder einsteigen soll, steht hinter der Schwedin weiterhin ein großes Fragezeichen. Ein Jahr doktern die Mediziner bereits an ihren rätselhaften Kreislaufstörungen herum, zurzeit läuft der nächste Versuch, ob ihr Körper neben leichten Grundlageneinheiten endlich härtere Übungen verkraftet.

Doch nicht nur der Kader, auch das Umfeld hat nochmal einen Schritt nach vorn gemacht. Eine Ernährungsberaterin gibt den Sportlerinnen hilfreiche Tipps, vom Fakta-Team stieß die schwedische Physiotherapeutin Nathalie Visser zur Equipe, die von Eric Wohlmann unterstützt wird. Mechaniker Martin Welz hat bisher für das Deutsche Mountainbike-Team an den Rädern geschraubt. Der Nürnberger Mental-Trainer Walter Rotter sondiert auf psychologischer Ebene individuelle Stärken und Schwächen. „Feintuning“, nennt das Cheftrainer Heiko Salzwedel und lehnt sich dann weit aus dem Fenster: „Die Equipe kann sich von der Professionalität her mit jedem Männer-Profi-Team vergleichen.“ Petra Roßner ist da noch etwas vorsichtiger: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Die 37-jährige - die bereits mit Judith Arndt sowie Margret Hemsley zwecks Weltcup-Vorbereitung in Australien weilt, Worrack, Phillips und Madeleine Lindberg folgen demnächst - wird auf ihre wohltuend pragmatische Art schon dafür sorgen, dass die freudige Aufbruchstimmung nicht jäh in triste Ernüchterung umschlägt. Und noch einer hebt warnend den Zeigefinger. „Wir sind nicht die einzige Mannschaft in Deutschland, die Rad fahren kann“, sagt Zemke. Auch das ist die Realität.


Lausitzer Rundschau, 4.2.2004

Heiko Salzwedel Cheftrainer bei Equipe Nürnberger

Ex-Cottbuser betreut Damen / "Trixi Worrack hat gut trainiert"

Der ehemalige DDR-Bahnrad-Nationaitrainer Heiko Salzwedel hat eine neue Aufgabe gefunden. Der Ex-Cottbuser hat als Cheftrainer bei der Equipe Nürnberger, dem einzigen deutschen Frauen-Profi-Radrennstall, angeheuert. Bei Nürnberger steht auch die Cottbuserin Trixi Worrack unter Vertrag.

Zehn Tage im Monat kümmert sich Salzwedel fortan mit seiner Beratungs-Agentur SL Sports (www.sl-sports.com) um Worrack, Judith Arndt & Co. - als Cheftrainer. "Die Betonung liegt dabei auf Trainer. Ich bin verantwortlich für den Coaching-Bereich", erläutert Salzwedel seine Aufgabe.

"Heiko Salzwedel übernimmt den trainingsmethodischen und wissenschaftlichen Part, wertet zum Beispiel zu Hause die Daten aus. Jens Zemke ist als sportlicher Leiter weiter für die Sportlerinnen, die direkte Wettkampfbetreuung und Rennleitung verantwortlich", erläutert Equipe-Team-Manager Alexander Oppelt die Aufgabenverteilung,

Salzwedel soll die Equipe-Damen vor allem mit dem SEM-System vertraut machen. Das SRM-System wurde vom deutschen Ingenieur Uli Schoberer entwickelt und ermöglicht erstmals die Messung der physikalischen Größe Leistung (Watt) direkt an der Tretkurbel. Die Leistung ist im Gegensatz zur Herzfrequenz ein wesentlich aussagekräftigerer Trainingsparameter, eine exaktere und permanente Trainingssteuerung auf diese Weise möglich. Männer-Profimannschaften arbeiten bereits seit einigen Jahren mit dem Verfahren. Heiko Saizwedel soll die Fülle an Zahlen auswerten: "Ich bekomme fast täglich die Daten der Frauen per E-Mail übermittelt, analysiere die Fakten und kann dann jeder Sportlerin sehr individuelle Trainingspläne erstellen", berichtet der 46-Jährige.

Training auf Mallorca

"Dieses neue Modell zeigt, mit welchen Ambitionen die Mannschaft an die neue Saison herangeht. Die Equipe Nürnberger ist eine gute, solide Mannschaft mit der reellen Chance, in der Weit die Nummer eins zu werden", glaubt Salzwedel, der in seiner "freien Zeit" weiter Spitzenfahrer wie den Australier Robbie McEwen (Lotto-Domo, Gewinner des Sprinttrikots bei der Tour de France) oder neuerdings auch den Hannoveraner Grischa Niermann (Team Rabobank) betreut.

Übrigens: Trixi Worrack, der amtierenden deutschen Straßen-Meisterin, bescheinigt Salzwedel eine gute-Form - nicht nur wegen der SRM-Daten. Salzwedel begleitete die Equipe-Damen zu einem 14-tägigen Trainingslager auf Mallorca, kehrte erst am Sonntag von der spanischen Ferieninsel zurück. "Trixi hat sehr gut trainiert", sagte Salzwedel.


Radsport-aktiv.de, 26.11.2003

Niermann holt Trainer Salzwedel

Rabobank-Profi Grischa Niermann arbeitet ab sofort mit Heiko Salzwedel zusammen. "In den letzten Jahren bin ich zwar konstant auf einem relativ hohen Niveau gefahren, konnte aber nicht die Ergebnisse erzielen, die ich mir erhofft hatte. Ich will nun neuen Schwung und neue Motivation in mein Trainingsprogramm bringen, um im nächsten Jahr erfolgreicher zu sein", begründet der Hannoveraner auf seiner Homepage.

Salzwedel ist ein erfahrener und vielbeschäftigter Coach. Seit wenigen Tagen arbeitet er auch mit Deutschlands bestem Frauen-Team "Equipe Nürnberger" zusammen. Als ehemaliger National-Trainer Australiens ist er maßgeblich am "Känguruh-Wunder" beteiligt. Der Kontakt zu Robbie McEwen, 2003 Gewinner des grünen Trikots der Tour de France, besteht immer noch.

Salzwedel schloss an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig seine Ausbildung zum Diplom-Sportlehrer ab. 1988 führte er den Bahn-Vierer der DDR zu Olympia-Silber in Seoul. Ein Jahr später wurde das Team in Lyon Weltmeister. Salzwedel betreute als Cheftrainer am australischen Institute of Sports vier Rad-Teams, 2000 übernahm er als Team-Manager die britische Bahn-Nationalmannschaft. Auch der dänische Radsportverband hört auf seinen Rat.


eurosport.com, November 2003

"Bin nicht zufrieden"

Nach einer Saison ohne große Höhen und Tiefen zieht Grischa Niermann im Gespräch mit eurosport.de Bilanz. "Ich war mit diesem Jahr nicht ganz zufrieden", fasst der Rabobank-Profi zusammen. "Ich bin zwar eine gute Tour gefahren, aber durch den Ausfall von unserem Kapitän Levy Leipheimer war es auch eine sehr schwere Tour", erinnert er sich an die drei Wochen in Frankreich.

"Ansonsten bin ich im Frühjahr und Herbst nie schlecht gefahren, hatte aber auch keine Höhepunkte - deshalb bin ich nicht ganz zufrieden", ergänzte der 28-Jährige. Das galt so auch für das ganze Team, dem erst bei der Vuelta durch Michael Rasmussen ein großer Erfolg gelang.

"Die Leistung der Mannschaft hat eigentlich gestimmt, aber es hat der große Sieg gefehlt. So war es auch bei mir: Ich habe immer meine Leistung gebracht, aber eine vordere Platzierung oder sogar ein Sieg war einfach nicht drin."

Dabei war Niermann bei der Dauphiné Libéré ausgezeichnet unterwegs und war lange auf bestem Weg, die Rundfahrt unter den Top Ten zu beenden. "Das war eine starke Phase, auch der Anfang der Tour lief gut. Da war auch Pech dabei, dass es in diesen Wochen nicht zu mehr gereicht hat. Aber das waren Leistungen, an die ich 2004 anknüpfen kann - und dann wird es auch wieder Erfolge geben", so der 28. der Tour.

Mit Rabobank war er auch bei der Premiere der Tour of Georgia in den USA am Start. Doch wenn es nach ihm geht, soll das eine einmalige Angelegenheit gewesen sein: "Es war eine schöne, gut organisierte Rundfahrt - aber zu viel Aufwand für ein paar Tage Radrennen. Mir liegen lange Reisen während der Saison nicht, zumal zeitgleich mein Heimatrennen, die Niedersachsen-Rundfahrt, stattfand", resümierte Niermann.

Trotz der mageren Saisonbilanz hat sich Rabobank auf dem Transfermarkt nicht besonders aktiv gezeigt. "Das zeigt das Vertrauen der Mannschaftsleitung in das Team. Aber wir hätten einen Joseba Beloki mit offenen Armen empfangen. Es gab ja Kontakte, auch zu Iban Mayo und Haimar Zubeldia. Das ist im Endeffekt aber nicht zustande gekommen."

"Letztlich hat man sich auf die gestandenen Fahrer in der Mannschaft besonnen und gesagt, dass wir eigentlich keine Verstärkung brauchen. Wir machen das im nächsten Jahr einfach wieder besser und dann fahren wir da auch wieder überall vorne mit."

Dazu soll bei Niermann persönlich auch eine Umstellung in der Vorbereitung beitragen: Heiko Salzwedel kümmert sich seit einigen Wochen um den Rundfahrtspezialisten. "Heiko hat sehr viel Erfahrung, schließlich hat er jahrelang das australische Straßennationalteam betreut. Ich verspreche mir durch eine individuellere Betreuung einen Schritt nach vorne."

"Ich habe das Training schon verändert, das tut nach fünf Jahren mit dem gleichen Schema mal ganz gut", beschreibt Nierrmann die ersten Erfahrungen der neuen Zusammenarbeit.

Wann und wo Grischa Niermann die Ergebnisse des umgestellten Trainings erstmals im Rennen unter Beweis stellen kann, ist noch offen: "Der Saisonstart steht noch nicht fest. Wir sind nicht so erpicht auf große Reisen. Australien steht nicht an, Malaysia nur ganz eventuell. Möglich wäre eher noch die neue Rundfahrt in der Türkei, darüber wurde im Team schon gesprochen."

"Mein Rennprogramm ist ebenfalls noch offen. Ich werde wahrscheinlich wie sonst die Mittelmeerrundfahrt bestreiten und auch Paris-Nizza fahren. Da sind wir wieder mit dabei und ich freue mich schon darauf."


Nürnberger Nachrichten, 29.10.2003

Equipe Nürnberger arbeitet in Zukunft mit Doppelspitze - Cheftrainer Heiko Salzwedel soll Jens Zemke entlasten

Es ist dieses kurze Zögern, diese haarfeine Schärfe, die einen aufhorchen lässt. Minutenlang erzählt Jens Zemke, welch großen Zugewinn Heiko Salzwedel als Cheftrainer für die Equipe Nürnberger Versicherung darstellt. Ein unwahrscheinlich kompetenter Mann sei der 46-Jährige, seine Verpflichtung für das einzige deutsche Frauen-Profiradteam ein weiterer Schritt in Richtung Professionalität, seine wertvolle Mitarbeit eine Entlastung für ihn, den Sportlichen Leiter. Das klingt nicht brav heruntergelesen, da schwingt viel Respekt, viel Anerkennung mit. Und doch wird Zemke etwas wortkarg, wenn man sachte das Thema Aufgabenverteilung anstößt.

Dabei dürften sich die beiden nicht ins Gehege kommen, ganz im Gegenteil, das Projekt funktioniert nur, wenn sie als Tandem arbeiten. So jedenfalls sieht es Equipe-Team-Manager Alexander Oppelt, der die Zuständigkeiten klar skizziert: „Jens Zemke ist weiter für die Sportlerinnen, die direkte Wettkampfbetreuung und Rennleitung verantwortlich, Heiko Salzwedel übernimmt den trainingsmethodischen und wissenschaftlichen Part, wertet zum Beispiel zu Hause die Daten aus.“

Vielleicht ist es also nur eine Frage der Zeit, der saisonalen Alltagspraxis, dass sich die jetzt auf dem Reißbrett entworfenen Abgrenzungen verwischen, verschieben – in beiderseitigem Einverständnis.

Heiko Salzwedel jedenfalls signalisiert energisch seine Bereitschaft, die Zusammenarbeit so harmonisch wie möglich zu gestalten. Da kommt keiner, der begehrlich auf Zemkes Job schielt („Ich habe nie Interesse daran gehabt, Sportlicher Leiter zu werden“), sondern eine partnerschaftliche Koexistenz anstrebt, „ich will Jens entlasten“. Warum? „Weil die Equipe Nürnberger eine gute, solide Mannschaft ist mit der reellen Chance, in der Welt die Nummer eins zu werden.“

Nicht sofort, aber „in den nächsten zwei, drei Jahren ist das möglich“, prognostiziert Salzwedel, der zu DDR-Zeiten an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig seine Ausbildung zum Diplom-Sportlehrer abschloss und 1988 den Bahn-Vierer der DDR zu Olympia-Silber in Seoul führte. Ein Jahr später wurde das Team in Lyon Weltmeister, und wieder ein Jahr später zog er nach Australien, um die Straßen-Nationalmannschaft zu trainieren. Der Kontakt zu Robbie McEwen ist bis heute nicht abgerissen. Gleichzeitig betreute Salzwedel als Cheftrainer am australischen Institute of Sports vier Rad-Teams, 2000 übernahm er als Team-Manager die britische Bahn-Nationalmannschaft, der dänische Radsportverband schätzt gleichfalls seine Beratung.

Ein Weltenbummler in Sachen Radsport also, der auch deshalb so begehrt ist, weil er mit dem SRM-System, auch Schoberer-System, bestens vertraut ist. Männer-Profimannschaften arbeiten bereits seit einigen Jahren mit dem Verfahren, das nicht nur Herzfrequenz und Energieverbrauch misst, sondern – unter anderem – gleichzeitig die Leistung in Watt sowie die Trittfrequenz. „Bisher waren die Frauen auf ein paar Institute mit unterschiedlichen Messverfahren verteilt, daher fanden wir es ganz vernünftig, nur noch eine Schaltstelle zu haben“, erklärt Oppelt.

Doch einer muss den ganzen Datenwust sichten, auswerten, in neue Trainingspläne einfließen lassen, die Saisongestaltung methodisch strukturieren. Eine Arbeit, die Zemke, selbst wenn er wollte, gar nicht leisten könnte: „Ich war in der vergangenen Saison oft schwer am Limit. Wenn man 160 Tage unterwegs ist, bleibt zwangsläufig etwas liegen. “So entschloss sich die Equipe-Leitung zu diesem etwas ungewöhnlichen Modell, „aber eigentlich ist es sehr modern“, meint Salzwedel. Ein Modell, für das der Hauptsponsor den Etat allerdings nicht zusätzlich aufstockt, „da wird dann umgeschichtet“, lautet Oppelts lapidare Lösung.

Ein Kostenfaktor dürfte sich jedoch in Grenzen halten: Wenn sich Cheftrainer und Sportlicher Leiter demnächst treffen, reicht eine kurze Radtour, beide wohnen in der Nähe von Frankfurt nur 15 Kilometer voneinander entfernt. „Bei einer Tasse Kaffee lassen sich Probleme immer noch am einfachsten lösen“, sagt Salzwedel und lacht. Er hat offensichtlich nicht die Hand an der Bremse.


Radsport-aktiv.de, 19.8.2003

Ronny Lauke gewinnt Etappe in China

(RA) - Radprofi Ronny Lauke hat die abschließende 8. Etappe der 2. Qinghai Lake Tour in China gewonnen. Der für SRM Deutschland startende Fahrer aus Frankfurt/Oder entschied den Schlußspurt einer 9 köpfigen Spitzengruppe in überlegener Manier für sich. Zweiter wurde der Spanier Guillem Munoz vor dem Kanadier Perras Dominique. Den Spurt des Hauptfeldes gewann der Berliner Gregor Willwohl. Den Gesamtsieg der Qinghai Lake Tour sicherte sich der Saeco-Fahrer Damiano Cunego.

Das hervorragende Abschneiden des von SRM Deutschland gesponsorten Mixed Teams wird mit dem 16. Platz in der Gesamtwertung durch Dennis Kraft noch unterstrichen.


Pressemitteilung Team Winfix-Techem, 8.8.2003

Abenteuer China

08.08.03 - Ein Traum wird für zwei Fahrer des Teams Winfix Techem war. Gregor Willwohl und Dennis Kraft nehmen an der Rundfahrt Qinghai Lake Tour 2003 im Land der aufgehenden Sonne teil, bei der es auch um UCI-Punkte geht. China, ein wahrer Traum, den sich beide nun über die sportliche Laufbahn erfüllen konnten. Sie sind mit dem deutschen Team SRM unterwegs, wobei sie den erfahrenden Heiko Salzwedel als Sportlichen Leiter haben. Insgesamt müssen acht Etappen mit einer Gesamtdistanz von 1138km auf dem Qinghai-Tibet-Plateau bewältigt werden. Die Region wird auch als Dach der Welt bezeichnet auf dem sich die höchsten Berge der Welt befinden. Die Etappen werden aber "nur" auf einer Höhe von 2500m-3800m ausgetragen. Da können beide mal richtig durchatmen.


ZDF-Online, 05.07.2003:

Ein Aussie im ersten Gelben?

Heiko Salzwedels Geheimtipp für den Prolog

Wer gewinnt den Prolog der Tour de France und darf sich als Erster das Gelbe Trikot überstreifen? Auf jeden Fall ein Australier, meint Heiko Salzwedel. Der "Globetrotter" aus Frankfurt ist Robbie McEwens Trainer und war lange Jahre Australiens Nationalcoach. Bei ZDFonline verrät er, warum Bradley McGee und Michael Rogers seine zwei Prolog-Geheimfavoriten sind.

"Bradley McGee ist das größte Talent, das der australische Radsport hervorgebracht hat. Schon als Junior machte er auf sich aufmerksam und gilt - immer noch - als die australische Hoffnung", erzählt Heiko Salzwedel. Jungprofi McGee, der schon früh im Rampenlicht stand, weiß deshalb mit Druck umzugehen. Salzwedel: "Als Profi wurde er bei der französischen Mannschaft 'fdjeux.com' sehr behutsam aufgebaut und erntet jetzt, mit 27 Jahren, die Früchte dieses langsamen Heranführens an die Weltspitze."

Gezieltes Explodieren für den Sieg
"Brad ist physisch und psychisch ein gereifter Rennfahrer. Beim Zeitfahren profitiert er von seiner Erfahrung als Bahnfahrer: Dort hat er seine Tritt-Technik und Tritt-Frequenz erworben und geschult", gibt Salzwedel als weiteren Grund für die guten Chancen des Australiers an. Die Bahnraderfolge untermauern Salzwedels Einschätzung: McGee holte bei den Olympischen Spielen 2000 im Zeitfahren Bronze und wurde 2002 Weltmeister in der Einerverfolgung in Kopenhagen.

Der Australier fährt mit einer Tritt-Frequenz von 100 Umdrehungen pro Minute noch scheinbar ganz locker und natürlich. Andere tun sich da offensichtlich schwerer. So fuhr McGee bei der Tour de Suisse beeindruckend gut im Zeitfahren und gewann vor Uwe Peschel und Jan Ullrich. Salzwedel: "Brad ist ganz klar mein Top-Favorit für den Prolog - der Junge kann gezielt explodieren!"

Beunruhigend fit vor der Tour
Auch seinen zweiten Favoriten für den Prolog, Michael Rogers, lobt Salzwedel nur in den höchsten Tönen: "Michaels Form ist unheimlich gut, fast schon beunruhigend!" Der erst 23-jährige Rogers gewann nach der Belgien- und Deutschland-Rundfahrt - mit einem Sieg im Einzelzeitfahren in Bretten - auch die Route du Sud in Frankreich, ein schweres Vorbereitungsrennen auf die Tour de France. Salzwedel hofft, dass man nicht zu früh zu hohe Erwartungen an Rogers hat: "Wenn er seine fabelhafte Form im Prolog beibehält, dann ist er einer der Favoriten auf das erste Gelbe Trikot der Tour."

Michael Rogers kommt aus einer radsportverrückten Familie. Seine Brüder Dean und Peter fuhren in der australischen Nationalmannschaft, als Heiko Salzwedel dort noch Trainer war. Der jüngste Rogers-Spross, Michael, galt schon mit 14 Jahren als Talent. "Als Radfahrer hat er das beste seiner zwei Brüder in sich vereint. Ein bescheidener junger Mann und ein Rennfahrer mit Charakter", schwärmt Salzwedel von dem jungen Australier. Selbst eine Radlegende wie Johan Musseuw konnte er durch seine Art und sein Auftreten motivieren, noch weiterzufahren. Das ist seine Referenz für die erste Tour in seiner Karriere.


ZDF-Online, 06.07.2003:

Heißer Kampf der Sprinter

McEwen-Trainer Heiko Salzwedel checkt die Sprint-Spezialisten

Robbie McEwen, Titelverteidiger im Kampf ums Grüne Trikot, Erik Zabel und Alessandro Petacchi sind bei der Tour de France die Favoriten im Kampf um die Sprinter-Krone. Heiko Salzwedel, der Trainer von Robbie McEwen, kennt die Männer und verrät ihre Stärken und Schwächen: Der eine hat den sechsten Sinn, der andere geht hin und wieder tüchtig feiern, der nächste riskiert gerne die große Klappe. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Wenn's drauf ankommt, sind sie schnell - ungemein schnell.

Doch nicht nur diesen Dreien traut Heiko Salzwedel einiges zu. Der Trainer bringt noch zwei andere heiße Kandidaten ins Spiel: "Vorsicht auch vor Stuart O'Grady und Baden Cooke, die werden es in den Sprints so richtig krachen lassen. Ihr heißer Kampf auf den Flachetappen sorgt garantiert für Spannung."

Mit Ecken und Kanten
Der als willensstark bekannte Robbie McEwen (Australien/Team Lotto-Domo) ist durch und durch professionell. Salzwedel kennt seinen Schützling: "Er weiß genau was er will und ist sehr kritisch. Er ist sehr offen und direkt und manchmal reißt er - auf gut deutsch - seine Klappe zu weit auf." Das allerdings hat ihm auch schon Ärger eingebracht.

McEwen gilt als Meister der Gegner-Analyse. Salzwedel: "Vor allem hat Robbie eine Nase für entscheidende Situationen im Rennverlauf" - eine rein psychische Gabe, die oft den kleinen Unterschied macht. Zudem verfügt der Australier als ehemaliger BMX-Fahrer über gute Fähigkeiten im "Handling" seines Fahrrades.

Robbie McEwen will sich auf die Flachetappen konzentrieren, um seinen Erfolg vom letzten Jahr zu wiederholen. Sein australischer Kumpel Nick Gates soll für ihn den Sprint anziehen. Beide sind ein eingespieltes Team, haben beim Giro d'Italia und der Tour de Suisse zusammen eine erfolgreiche Generalprobe abgeliefert: McEwen gewann nach Vorarbeit von Gates mehrere Etappen. Der Sprinter kann auf seinen Helfer blind vertrauen, was oft wichtiger ist als individuelle Stärke.

"Very strong"
Erik Zabel (Deutschland / Team Telekom) ist sechsmaliger Sieger des Grünen Trikots, ein exzellenter Rennfahrer also. Seine Stärke ist konstantes Fahren auf hohem Niveau. Heiko Salzwedel über den Deutschen: "Ich habe Zabel bei den Deutschen Meisterschaften in Spalt gesehen, er fährt verdammt stark - vor allem am Berg. Möglicherweise hat er aber für dieses Plus am Berg ein wenig an Endschnelligkeit eingebüßt."

Trotzdem mailte Salzgeber seinem Schützling McEwen nach den Deutschen Meisterschaften: "Watch out, Robbie, Zabel is very strong" (heißt so viel wie: Pass auf, Robbie, Zabel fährt stark).

Beim Giro in Bestform
Sechs Etappensiege hat Alessandro Pettacchi (Italien / Fassa Bortolo) beim Giro d'Italia eingefahren. Die entscheidende Frage ist, ob der Italiener diese Form bis zum Tourstart halten konnte. Das Beispiel Jan Ullrich 2001 zeigte, dass man den Giro gut zur Vorbereitung auf die Tour fahren kann. Aber im Gegensatz zu Petacchi gewann Ullrich damals keine Etappe.

"Die Fahrer müssen aufpassen, dass sie in der Vorbereitung nicht in den roten Bereich kommen", warnt Salzwedel, "denn in diesem Fall kommt kommen sie nicht mehr mit der besten Form nach Frankreich."

Ein Sprinter, der klettern kann
Der Allrounder Stuart O'Grady (Australien / Credit Agricole) wurde in diesem Jahr schon Dritter bei der Flandern-Rundfahrt. Der Australier kommt vom Bahnradsport, ist aber auch ein guter Kletterer. Erik Zabel und er werden in den Bergen um die Punkte kämpfen und auch bei den Zwischensprints in den Tälern. O'Grady trägt dieses Jahr das Trikot des australischen Meisters. "Australier sind sehr patriotisch und dieses weiß-gelb-grüne Leibchen wird ihm bei der Tour Flügel verleihen", sagt Salzwedel.

"Stuey ist ein Pfundskerl! Wie die meisten Australier liebt er Wein, Weib und Gesang. Er fährt - und feiert - Feste", erzählt Salzwedel. Allerdings kann es gefährlich werden, wenn mehrere Australier zusammen feiern: Vor einigen Jahren war O'Grady mit einigen Fahrer-Kollegen in einem französischen Nachtklub in eine Massenschlägerei verwickelt - was wohl nach seiner Heirat nicht mehr so schnell vorkommen wird.

Draufgänger
Baden Cooke (Australien / fdjeux), genannt "Cookie", ist als Kamikaze bekannt. Der Australier schießt im Sprint in jede Lücke, die sich bietet. Salzwedel über den verrückten Jungen: "Baden kann sich in einen Rausch fahren. Er fährt, bis das Schwarze rauskommt. Dann spürt er keine Schmerzen mehr." Stürze machen dem Profi scheinbar nichts aus. Das einzige was ihn danach zu interessieren scheint ist, ob etwas an seinem Rad kaputt ist. Ob er sich verletzt hat, interessiert ihn gar nicht.

Cooke ist ein Unikum, ein Fanatiker, der aus dem australischen Ort Benalla kommt, das im Outback liegt. Der Ort ist bekannt, da dort der berühmte Bandit und Volksheld Ned Kelly zwischen 1854 und 1880 sein Unwesen trieb. Auch Cooke fährt manchmal einen verwegenen Stil - aber über Leichen geht er nicht.